Aktuelle Inselnachrichten 41. Woche 2003

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Aktuelle Fuerteventura Kurznachrichten
(zusammengestellt am 24.10.2003)

Große Pläne für Gran Tarajal

“Wenn schon alle am Erneuern sind, dann wir auch!”, so dachten sich wohl die Städteplaner aus Gran Tarajal, einer der wenigen vom Tourismus bislang verschont gebliebenen, strandnahen Ortschaften im Süden Fuerteventuras.

Die bereits begonnenen Arbeiten am Eingang des zweitgrößten Ortes der Insel sehen eine Verbesserung und Erweiterung der Einfallstraße vor, die ‘Avenida de la Constitución’ und in deren Verlängerung, die Straße ‘Mesa y López’, sowie deren Abzweigungen in die Seitenstraßen.

Einziger Wermutstropfen der vom Großteil der Einwohner begrüßten Maßnahmen ist die wahrscheinlich unvermeidbare Umsetzung von etwa dreißig Dattelpalmen, direkt in der Zufahrt, die der Erweiterung weichen müssen. Angepflanzt in den 30ern im vergangenen Jahrhundert, prägten sie bis eben in die heutigen Tage das Gesicht des Dorfes. Kurzfristige Änderungen an dem Umstrukturierungsplan sind aber eventuell noch möglich, wie die Bürgermeisterin von der zuständigen Gemeindeverwaltung Tuineje, Rita Dáiz, in einer Stellungnahme erklärte. Man werde versuchen, die möglichen Auswirkungen auf den lang gezogenen Palmenhain so gering wie möglich zu halten und mit den zu versetzenden Dattelpalmen das neue-alte Gesicht des Dorfes wiederherzustellen.

Auch in der Hafenanlage wird in Kürze die Remodellierung in größerem Ausmaße beginnen. Die von der Hafenbehörde der kanarischen Regierung und von der EU zur Verfügung gestellten Geldmittel sind inzwischen angewiesen worden. Die öffentlich ausgeschriebenen Arbeiten müssen lediglich noch zugewiesen werden, was, laut Aussagen des Ministers für Infrastruktur in der kanarischen Regierung, Antonio Castro, in den nächsten Tagen passieren wird.

Geplant ist u.a. eine Verlängerung der Mole auf 175 Meter, wobei 155 m davon als Anlegestelle für auch größere Schiffe wie die interinsulare Fähre vorgesehen sind. Damit würde sich ein lang ersehnter Traum vieler Einwohner in Gran Tarajal erfüllen, die sich bislang stets nach Puerto del Rosario oder Morro Jable begeben müssen, wollen sie, privat oder beruflich bedingt, eine andere Insel auf dem Archipel aufsuchen.

Erweitert wird auch die Anzahl der Anlege- und Ankerplätze für Wasserfahrzeuge aller Art bis zu einer Kiellänge von 15 Metern, die stattliche Jachten problemlos erreichen und bislang eben auch ihren Liegeplatz vorwiegend nur in Morro Jable und Puerto del Rosario finden konnten. Den Neubau notwendiger Gebäude, Hallen und Trockendocks hat man ebenso einkalkuliert wie den Neubau eines Kontroll-Towers, dessen Einweihung die Umbaumaßnahmen in noch nicht kalkulierter Dauer dann vorerst abschließen soll. Die bis dahin getätigte Investition soll die Summe von annähernd 12.000.000 €uro erreichen und scheint gut investiert zu sein.

Ein Gedenktag, der nachdenklich macht...

Vergangene Woche wurde aus Anlass des Jahrestages des Strandens und erbärmlichen Sterbens mehrerer Delfine an der Ostküste von Fuerteventura eine Versammlung hochrangiger Postenträger in Puerto del Rosario veranstaltet.

Der inzwischen nachgewiesene Grund für das Massensterben jener Meeresbewohner waren die Marineübungen in den Gewässern vor Fuerteventura. Das auch andernorts vorgekommene Massensterben der Delfine, stets in Zusammenhang mit dem Stattfinden militärischer Übungen, wie vor Griechenland, Neuseeland, Hawaii und den Bahamas, hat auf der ganzen Welt Alarm unter Experten ausgelöst, und nach intensiven Forschungen bestätigte sich die These, dass die Sonarwellen, die die U-Boote absenden, Hirnblutungen provozieren und, dadurch bedingt, die Orientierungslosigkeit der Delfine, die sich scheinbar mit letzter Kraft durch Verlassen des Wassers vor weiteren Sonarattacken schützen wollten und dabei kläglich verendeten.

Hervorzuheben war dabei der wissenschaftlich fundamentierte Untersuchungs-bericht der Veterinärfakultät der Universität ‘Las Palmas de Gran Canaria’ (ULPGC), deren wissenschaftliche Mitarbeiter sich schon im Vorfeld der Marineübungen gegen jene ausgesprochen und vor möglichen Konsequenzen gewarnt hatten. In deren Untersuchungsbericht wurde auf die Zerstörung von Kapillargefäßen hingewiesen, innere Blutungen provozierend und, als Folge daraus, das Aussetzen der Funktion mehrerer lebensnotwendiger innerer Organe jener Tiere. Alle der neunzehn auf diese Weise verendeten Tiere starben innerhalb von 24 Stunden aus den zuvor erwähnten Gründen.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung forderten die Inselverwaltung und die Regierung der Kanarischen Inseln, vertreten durch den Generaldirektor in Naturfragen in der kanarischen Regierung, Juan Carlos Moreno und dem Minister für Umwelt im Cabildo de Fuerteventura, Lázaro Cabrera, sowie Vertreter der beiden Universitäten in Las Palmas und Teneriffa, der spanische Verteidigungsminister und mehrere Repräsentanten verschiedener wissenschaftlicher Vereinigungen den Schutz der Gewässer um die Kanarischen Inseln vor weiteren derartigen oder ähnlichen Eingriffen durch Menschenhand.

Von der NATO und den NATO-verbundenen Staaten erwartet man die größtmöglichte und großräumige Ausschließung des Archipels  für zukünftige Manöver gleich welcher Art und fordert von der EU die Erklärung der Gewässer als Meerwasser-Reservat, um die Überlebenschance - nicht nur der Delfine - für die Zukunft sicherstellen zu können.
 

Politiker unter Druck: Im Kreis ‘La Oliva’ sind vorerst noch ‘Aufräumungsarbeiten’ angesagt!

"Wohnens- und bewohnenswert" hat man sich ganz groß in die Kalender geschrieben. Nach anhaltenden Protesten aus der Bevölkerung, die viel Vertrauen in ihre neu gewählten Vertreter setzt, hat man sich verschiedener großer und größerer Probleme zu widmen.

Aus der Siedlung ‘La Caldareta’, auf halber Strecke zwischen Puerto del Rosario ud La Oliva gelegen, wird die Stilllegung eines Steinbruchs im Tagebau gefordert. Die Anwohner jener Siedlung, nur 500 Meter von besagtem Steinruch entfernt, sehen eine ernste Bedrohung ihrer Gesundheit und Lebensqualität durch die andauernden aufwirbelnden Staub- und Sandwolken, durch das ständige Passieren von Lastwagen, sowie durch die Zuhilfenahme von Sprengsätzen bei den Brucharbeiten.

Einfach wird dieses Vorhaben nicht werden, da die betreibende Firma über alle vom Gesetz geforderten Papiere verfügt, so war jedenfalls aus der Versammlung der Anwohner mit dem Präsidenten der Inselregierung, Mario Cabrera, Anfang September diesen Jahres zu hören. Der einzige Vorschlag zur Lösung des Problems scheint das Zusammensetzen aller Parteien zu sein, wobei der Vorschlag, der betreibenden Firma ein Ausweichgelände zur Verfügung zu stellen, als einziger sinnvoller im Raum stehen blieb. Eine bereits versuchte, gerichtlich erzwungene Stilllegung der Brucharbeiten wegen abgelaufener Lizenz, die bereits im Jahre 1992 für die Dauer von, damals, angenommenen und eigentlich üblichen zehn Jahren erteilt wurde, scheiterte bereits bei der ersten Gerichtsinstanz, da die Firma unerwarteterweise eine Lizenz für die Dauer von 30 (!) Jahren vorlegen konnte.

‘Ein paar Tage Geduld’ forderte der Inseloberste von der Anwohnervertretung, weil er und einige seiner Mitarbeiter ‘sich erst genauer in die Materie einarbeiten müssten, da sie über die dortige Sachlage und die vergebenen Lizenzen nicht auf dem neuesten Stand seien’. Zudem müsste man sich auch über die Möglichkeiten der Änderung des Bebauungs- und Siedlungsplanes (dem alles überschattende PIOT) informieren.

Nicht zufrieden geben wollten sich die gepeinigten Anwohner und forschten auf eigene Faust weiter. Wie durch Zufall fand man das, was keiner je zu finden geglaubt hatte. Bei Durchsicht der Akte über das Genehmigungsverfahren zum Betrieb besagten Steinbruchs, welche man ihnen unter der alten Regierung (Anm.d.Red.: Die Ära ‘Domingo González Arroyo’) bislang wiederholt verweigerte, fand man das, was man als einen ‘Sechser im Lotto’ bezeichnen könnte: Zwei technische Untersuchungsberichte zum Betrieb jener Anlage. Beide mit dem Datum des selben Tages, 25. Februar 1993, beide unterschrieben von dem selben Verwaltungstechniker bei der (damaligen) Verwaltung in La Oliva, Alfonso Gómez-Gil Caviró, nur mit total gegensätzlichem Inhalt. Während in dem, für den Antrag stellenden Betreiber konformen Bericht auf die zstimmenden und sich dafür verbürgenden Ministerien für Industrie und Territorial-Politik hingewiesen wird, kann man im zweiten Bericht das genaue Gegenteil dazu lesen. Sich auf den PIOT berufend, stellt der konträre Untersuchungsbericht ohne größere Umschweife die Nichtgenehmigung jenes Projekt dar, im Wortlaut: “..in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorraussetzungen für den Tagebau, ist jener in allen nicht ausdrücklich dafür bestimmten Gebieten verboten...”

Mit jenen goldwerten Papieren setzte man nicht nur die Inselverwaltung in Erstaunen, als man jene in Form von beglaubigten Kopien präsentierte und den Vergleich mit den eingereichten Papieren, auf die sich die Genehmigung zur Betreibung des Steinbruchs stützt, forderte. Gleichzeitig hat der Rechtsvertreter der Anwohner Klage beim Gericht in Puerto del Rosario gegen die betreibende Firma der Cantera in La Caldereta eingereicht. Nun liegt es in den Händen der Justiz, den Sachverhalt über das Genehmigungsverfahren, die technischen Untersuchungsberichte zu klären und über deren rechtliche Existenz zu urteilen.

Wach gerüttelt wurde auch so manch einer im Ministerium für Industrie, als von der Inselverwaltung in Fuerteventura die gesamte Akte über das zurückliegende Genehmigungsverfahren zur Einsicht angefordert wurde, mit der Erklärung, es könnten ‘Unregelmässigkeiten beim Genehmigungsverfahren stattgefunden haben...!!!’

Anm.d.Red.: Wären nicht der Zugang zu jenen Papieren ermöglicht worden oder hätten die Anwohner schon vorher gegen die vermeintliche staatliche ‘Übermacht’ die berühmte ‘Flinte ins Korn geworfen’, hätte man sich nicht nur mit einem Steinbruch in allernächster Nachbarschaft abfinden müssen. Die Genehmigung erhielt zudem die Möglichkeit zum weiteren Ausbau und Betrieb einer Steinmühle, sowie zur Vorbereitung, Verarbeitung und zum Recycling von Beton und Asphalt.

Und auch in Betancuria zeigt man Courage...

Der Bürgermeister des kleinsten Verwaltungskreises auf Fuerteventura, Señor Ignacio Gordillo, hat sich gegen die Genehmigung zum Betreiben eines Steinbruchs in seinem Regierungsbezirk ausgesprochen und sich damit den Eingaben verschiedener Umweltschutzverbände, gerichtet an die Adresse des Ministeriums für Industrie der Kanarischen Regierung, angeschlossen.

Wie schon zuvor die Grünen, die Umweltverbände 'Agonane' und 'La Coordinadora Montaña Tindaya', beide in die kanarische Öko-Gruppe Ben Magec integriert, weist man die derzeitigen Genehmigungen zur Bodenuntersuchung durch die Firma ‘Canterías de Arucas’, ein in Gran Canaria ansässiges Bergbauunternehmen, strikt zurück. Nach Aussagen des Bürgermeisters ist der Steinbruch nicht industriell zu verwerten, zudem befinde er sich im Naturpark von Betancuria und damit sei er durch den PIOT (Anm.d.Red.: der unter anderem auch die Nutzung bestimmter Gelände oder Gebiete regelt) vor derartigen Aktivitäten geschützt.

Das Bergbauunternehmen ‘Canterías de Arucas’, vertreten durch seinen Geschäftsführer Juan V. Medina Aguiar, in deren Auftrag er sich aller Ansicht nach auf ‘Schatzsuche’ in Fuerte befand. Erst vor wenigen Tagen war er wegen Nutzung von klassifizierter Information, konkret: dem Ergebnis der Studie über das kanarische Gesetz zum Bergbau, welches vom Ministerium für Industrie in Auftrag gegeben wurde und welches er selbst ausgearbeitet hatte, in die Schlagzeilen gekommen. Auch die Vereinigung der Bauunternehmer (AEC) hatte ihn wegen seiner scheinbar beruflichen Verstrickung zu eben jenem Monopolisten im gran-kanarischen Norden, der Firma ‘Canterías de Arucas’, wegen Korruptionsverdacht angezeigt.

Der Naturpark Betancuria ist ein wegen seiner geologischen Vorkommen, wegen des Existierens von seltener und vom Aussterben bedrohter Flora und Fauna und wegen seines eigentümlichen Landschaftscharakters  als Naturschutzzone ausgewiesenes Gebiet, und ist als ‘besonders geschützte Zone’ für vom Aussterben bedrohter Vogelarten klassifiziert, wie es in der zuständigen Verordnung (ZEPA) nachgelesen werden kann.

 

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