| Große Pläne
für Gran Tarajal “Wenn schon
alle am Erneuern sind, dann wir auch!”, so dachten sich wohl die
Städteplaner aus Gran Tarajal, einer der wenigen vom Tourismus bislang
verschont gebliebenen, strandnahen Ortschaften im Süden Fuerteventuras.
Die bereits begonnenen Arbeiten am
Eingang des zweitgrößten Ortes der Insel sehen eine Verbesserung und
Erweiterung der Einfallstraße vor, die ‘Avenida de la Constitución’ und
in deren Verlängerung, die Straße ‘Mesa y López’, sowie deren
Abzweigungen in die Seitenstraßen.
Einziger Wermutstropfen der vom Großteil
der Einwohner begrüßten Maßnahmen ist die wahrscheinlich unvermeidbare
Umsetzung von etwa dreißig Dattelpalmen, direkt in der Zufahrt, die der
Erweiterung weichen müssen. Angepflanzt in den 30ern im vergangenen
Jahrhundert, prägten sie bis eben in die heutigen Tage das Gesicht des
Dorfes. Kurzfristige Änderungen an dem Umstrukturierungsplan sind aber
eventuell noch möglich, wie die Bürgermeisterin von der zuständigen
Gemeindeverwaltung Tuineje, Rita Dáiz, in einer Stellungnahme erklärte.
Man werde versuchen, die möglichen Auswirkungen auf den lang gezogenen
Palmenhain so gering wie möglich zu halten und mit den zu versetzenden
Dattelpalmen das neue-alte Gesicht des Dorfes wiederherzustellen.
Auch in der Hafenanlage wird in Kürze die
Remodellierung in größerem Ausmaße beginnen. Die von der Hafenbehörde
der kanarischen Regierung und von der EU zur Verfügung gestellten
Geldmittel sind inzwischen angewiesen worden. Die öffentlich
ausgeschriebenen Arbeiten müssen lediglich noch zugewiesen werden, was,
laut Aussagen des Ministers für Infrastruktur in der kanarischen
Regierung, Antonio Castro, in den nächsten Tagen passieren wird.
Geplant ist u.a. eine Verlängerung der
Mole auf 175 Meter, wobei 155 m davon als Anlegestelle für auch größere
Schiffe wie die interinsulare Fähre vorgesehen sind. Damit würde sich
ein lang ersehnter Traum vieler Einwohner in Gran Tarajal erfüllen, die
sich bislang stets nach Puerto del Rosario oder Morro Jable begeben
müssen, wollen sie, privat oder beruflich bedingt, eine andere Insel auf
dem Archipel aufsuchen.
Erweitert wird auch die Anzahl der
Anlege- und Ankerplätze für Wasserfahrzeuge aller Art bis zu einer
Kiellänge von 15 Metern, die stattliche Jachten problemlos erreichen und
bislang eben auch ihren Liegeplatz vorwiegend nur in Morro Jable und
Puerto del Rosario finden konnten. Den Neubau notwendiger Gebäude,
Hallen und Trockendocks hat man ebenso einkalkuliert wie den Neubau
eines Kontroll-Towers, dessen Einweihung die Umbaumaßnahmen in noch
nicht kalkulierter Dauer dann vorerst abschließen soll. Die bis dahin
getätigte Investition soll die Summe von annähernd 12.000.000 €uro
erreichen und scheint gut investiert zu sein.
Ein Gedenktag, der
nachdenklich macht...
Vergangene Woche wurde aus Anlass des
Jahrestages des Strandens und erbärmlichen Sterbens mehrerer Delfine an
der Ostküste von Fuerteventura eine Versammlung hochrangiger
Postenträger in Puerto del Rosario veranstaltet.
Der inzwischen nachgewiesene Grund für
das Massensterben jener Meeresbewohner waren die Marineübungen in den
Gewässern vor Fuerteventura. Das auch andernorts vorgekommene
Massensterben der Delfine, stets in Zusammenhang mit dem Stattfinden
militärischer Übungen, wie vor Griechenland, Neuseeland, Hawaii und den
Bahamas, hat auf der ganzen Welt Alarm unter Experten ausgelöst, und
nach intensiven Forschungen bestätigte sich die These, dass die
Sonarwellen, die die U-Boote absenden, Hirnblutungen provozieren und,
dadurch bedingt, die Orientierungslosigkeit der Delfine, die sich
scheinbar mit letzter Kraft durch Verlassen des Wassers vor weiteren
Sonarattacken schützen wollten und dabei kläglich verendeten.
Hervorzuheben war dabei der
wissenschaftlich fundamentierte Untersuchungs-bericht der
Veterinärfakultät der Universität ‘Las Palmas de Gran Canaria’ (ULPGC),
deren wissenschaftliche Mitarbeiter sich schon im Vorfeld der
Marineübungen gegen jene ausgesprochen und vor möglichen Konsequenzen
gewarnt hatten. In deren Untersuchungsbericht wurde auf die Zerstörung
von Kapillargefäßen hingewiesen, innere Blutungen provozierend und, als
Folge daraus, das Aussetzen der Funktion mehrerer lebensnotwendiger
innerer Organe jener Tiere. Alle der neunzehn auf diese Weise verendeten
Tiere starben innerhalb von 24 Stunden aus den zuvor erwähnten Gründen.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung
forderten die Inselverwaltung und die Regierung der Kanarischen Inseln,
vertreten durch den Generaldirektor in Naturfragen in der kanarischen
Regierung, Juan Carlos Moreno und dem Minister für Umwelt im Cabildo de
Fuerteventura, Lázaro Cabrera, sowie Vertreter der beiden Universitäten
in Las Palmas und Teneriffa, der spanische Verteidigungsminister und
mehrere Repräsentanten verschiedener wissenschaftlicher Vereinigungen
den Schutz der Gewässer um die Kanarischen Inseln vor weiteren
derartigen oder ähnlichen Eingriffen durch Menschenhand.
Von der NATO und den NATO-verbundenen
Staaten erwartet man die größtmöglichte und großräumige Ausschließung
des Archipels für zukünftige Manöver gleich welcher Art und
fordert von der EU die Erklärung der Gewässer als Meerwasser-Reservat,
um die Überlebenschance - nicht nur der Delfine - für die Zukunft
sicherstellen zu können.
Politiker unter Druck:
Im Kreis ‘La Oliva’ sind vorerst noch ‘Aufräumungsarbeiten’ angesagt!
"Wohnens- und bewohnenswert" hat man
sich ganz groß in die Kalender geschrieben. Nach anhaltenden Protesten
aus der Bevölkerung, die viel Vertrauen in ihre neu gewählten Vertreter
setzt, hat man sich verschiedener großer und größerer Probleme zu
widmen.
Aus der Siedlung ‘La Caldareta’, auf
halber Strecke zwischen Puerto del Rosario ud La Oliva gelegen, wird die
Stilllegung eines Steinbruchs im Tagebau gefordert. Die Anwohner jener
Siedlung, nur 500 Meter von besagtem Steinruch entfernt, sehen eine
ernste Bedrohung ihrer Gesundheit und Lebensqualität durch die
andauernden aufwirbelnden Staub- und Sandwolken, durch das ständige
Passieren von Lastwagen, sowie durch die Zuhilfenahme von Sprengsätzen
bei den Brucharbeiten.
Einfach wird dieses Vorhaben nicht
werden, da die betreibende Firma über alle vom Gesetz geforderten
Papiere verfügt, so war jedenfalls aus der Versammlung der Anwohner mit
dem Präsidenten der Inselregierung, Mario Cabrera, Anfang September
diesen Jahres zu hören. Der einzige Vorschlag zur Lösung des Problems
scheint das Zusammensetzen aller Parteien zu sein, wobei der Vorschlag,
der betreibenden Firma ein Ausweichgelände zur Verfügung zu stellen, als
einziger sinnvoller im Raum stehen blieb. Eine bereits versuchte,
gerichtlich erzwungene Stilllegung der Brucharbeiten wegen abgelaufener
Lizenz, die bereits im Jahre 1992 für die Dauer von, damals,
angenommenen und eigentlich üblichen zehn Jahren erteilt wurde,
scheiterte bereits bei der ersten Gerichtsinstanz, da die Firma
unerwarteterweise eine Lizenz für die Dauer von 30 (!) Jahren vorlegen
konnte.
‘Ein paar Tage Geduld’ forderte der
Inseloberste von der Anwohnervertretung, weil er und einige seiner
Mitarbeiter ‘sich erst genauer in die Materie einarbeiten müssten, da
sie über die dortige Sachlage und die vergebenen Lizenzen nicht auf dem
neuesten Stand seien’. Zudem müsste man sich auch über die Möglichkeiten
der Änderung des Bebauungs- und Siedlungsplanes (dem alles
überschattende PIOT) informieren.
Nicht zufrieden geben wollten sich die
gepeinigten Anwohner und forschten auf eigene Faust weiter. Wie durch
Zufall fand man das, was keiner je zu finden geglaubt hatte. Bei
Durchsicht der Akte über das Genehmigungsverfahren zum Betrieb besagten
Steinbruchs, welche man ihnen unter der alten Regierung (Anm.d.Red.:
Die Ära ‘Domingo González Arroyo’) bislang wiederholt verweigerte,
fand man das, was man als einen ‘Sechser im Lotto’ bezeichnen könnte:
Zwei technische Untersuchungsberichte zum Betrieb jener Anlage. Beide
mit dem Datum des selben Tages, 25. Februar 1993, beide unterschrieben
von dem selben Verwaltungstechniker bei der (damaligen) Verwaltung in La
Oliva, Alfonso Gómez-Gil Caviró, nur mit total gegensätzlichem Inhalt.
Während in dem, für den Antrag stellenden Betreiber konformen Bericht
auf die zstimmenden und sich dafür verbürgenden Ministerien für
Industrie und Territorial-Politik hingewiesen wird, kann man im zweiten
Bericht das genaue Gegenteil dazu lesen. Sich auf den PIOT berufend,
stellt der konträre Untersuchungsbericht ohne größere Umschweife die
Nichtgenehmigung jenes Projekt dar, im Wortlaut: “..in Übereinstimmung
mit den gesetzlichen Vorraussetzungen für den Tagebau, ist jener in
allen nicht ausdrücklich dafür bestimmten Gebieten verboten...”
Mit jenen goldwerten Papieren setzte man
nicht nur die Inselverwaltung in Erstaunen, als man jene in Form von
beglaubigten Kopien präsentierte und den Vergleich mit den eingereichten
Papieren, auf die sich die Genehmigung zur Betreibung des Steinbruchs
stützt, forderte. Gleichzeitig hat der Rechtsvertreter der Anwohner
Klage beim Gericht in Puerto del Rosario gegen die betreibende Firma der
Cantera in La Caldereta eingereicht. Nun liegt es in den Händen der
Justiz, den Sachverhalt über das Genehmigungsverfahren, die technischen
Untersuchungsberichte zu klären und über deren rechtliche Existenz zu
urteilen.
Wach gerüttelt wurde auch so manch einer
im Ministerium für Industrie, als von der Inselverwaltung in
Fuerteventura die gesamte Akte über das zurückliegende
Genehmigungsverfahren zur Einsicht angefordert wurde, mit der Erklärung,
es könnten ‘Unregelmässigkeiten beim Genehmigungsverfahren stattgefunden
haben...!!!’
Anm.d.Red.: Wären nicht der Zugang zu jenen Papieren ermöglicht
worden oder hätten die Anwohner schon vorher gegen die vermeintliche
staatliche ‘Übermacht’ die berühmte ‘Flinte ins Korn geworfen’, hätte
man sich nicht nur mit einem Steinbruch in allernächster Nachbarschaft
abfinden müssen. Die Genehmigung erhielt zudem die Möglichkeit zum
weiteren Ausbau und Betrieb einer Steinmühle, sowie zur Vorbereitung,
Verarbeitung und zum Recycling von Beton und Asphalt.
Und auch in Betancuria zeigt
man Courage...
Der Bürgermeister des kleinsten
Verwaltungskreises auf Fuerteventura, Señor Ignacio Gordillo, hat sich
gegen die Genehmigung zum Betreiben eines Steinbruchs in seinem
Regierungsbezirk ausgesprochen und sich damit den Eingaben verschiedener
Umweltschutzverbände, gerichtet an die Adresse des Ministeriums für
Industrie der Kanarischen Regierung, angeschlossen.
Wie schon zuvor die Grünen, die
Umweltverbände 'Agonane' und 'La Coordinadora Montaña Tindaya', beide in
die kanarische Öko-Gruppe Ben Magec integriert, weist man die
derzeitigen Genehmigungen zur Bodenuntersuchung durch die Firma
‘Canterías de Arucas’, ein in Gran Canaria ansässiges
Bergbauunternehmen, strikt zurück. Nach Aussagen des Bürgermeisters ist
der Steinbruch nicht industriell zu verwerten, zudem befinde er sich im
Naturpark von Betancuria und damit sei er durch den PIOT (Anm.d.Red.:
der unter anderem auch die Nutzung bestimmter Gelände oder Gebiete
regelt) vor derartigen Aktivitäten geschützt.
Das Bergbauunternehmen ‘Canterías de
Arucas’, vertreten durch seinen Geschäftsführer Juan V. Medina Aguiar,
in deren Auftrag er sich aller Ansicht nach auf ‘Schatzsuche’ in Fuerte
befand. Erst vor wenigen Tagen war er wegen Nutzung von klassifizierter
Information, konkret: dem Ergebnis der Studie über das kanarische Gesetz
zum Bergbau, welches vom Ministerium für Industrie in Auftrag gegeben
wurde und welches er selbst ausgearbeitet hatte, in die Schlagzeilen
gekommen. Auch die Vereinigung der Bauunternehmer (AEC) hatte ihn wegen
seiner scheinbar beruflichen Verstrickung zu eben jenem Monopolisten im
gran-kanarischen Norden, der Firma ‘Canterías de Arucas’, wegen
Korruptionsverdacht angezeigt.
Der Naturpark Betancuria ist ein wegen
seiner geologischen Vorkommen, wegen des Existierens von seltener und
vom Aussterben bedrohter Flora und Fauna und wegen seines eigentümlichen
Landschaftscharakters als Naturschutzzone ausgewiesenes Gebiet,
und ist als ‘besonders geschützte Zone’ für vom Aussterben bedrohter
Vogelarten klassifiziert, wie es in der zuständigen Verordnung (ZEPA)
nachgelesen werden kann.
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