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Auf
diesen Seiten stellen wir Ihnen in Zukunft Inselpersönlichkeiten vor, deren Meinung über die touristische Entwicklung Fuerteventuras geprägt wurde durch direkte, praktische Erfahrung mit
diesem Thema.
Wenn auch Sie sich in einem Interview zu diesem Themenkomplex äußern möchten, lassen
Sie es uns bitte wissen!
Unser erstes Interview führten wir mit Insel-Architekt Fritz Junkermann
Herr Junkermann, seit nunmehr 33 Jahren sind Sie als Architekt auf Fuerteventura tätig. Sie gehören zu den wenigen Männern der ersten Stunde, die das Paradies Fuerteventura kannten,
baulich prägten und hier noch tätig sind. Was empfinden Sie heute angesichts der von vielen beklagten rapiden Zerstörung der einzigartigen Umwelt durch die rege Bautätigkeit und die
Vermassung des Tourismus?
Herr Jansen, die “Frauen und Männer der ersten Stunde” im Süden waren ein bunter Haufen von vielleicht 50 Personen, zusammengesetzt aus Spekulanten --- von wild bis mild,
Baulandentwicklern, Investoren, Ruheständlern, ein Hoteldirektor, etc. Ich war, neben meinem damaligen Chef W. Wenner, als einziger Architekt dabei.
Natürlich kochte jeder seine eigene Suppe, jedoch hatten wir eines gemeinsam: eine gute Portion Idealismus und den festen Willen, mit diesem Paradies behutsam umzugehen.
Das spätere Modewort vom sanften Tourismus war für uns reales Handeln. Die Ausrufer des Begriffs, die Touristikkonzerne, sind die wahren Moloche der Umwelt, denn sie schaffen die Vermassung,
bewusst und hemmungslos.
Dagegen sind die Fehler der Bürokraten, Investoren und Architekten nur Habgier-Kleingeld im Sündenregister. Sie sind lediglich die Brosamenempfänger der Konzerne und gleichzeitig das Futter
der Drachen.

“Was ich mir zugute halten kann
ist, dass ich meine Ideale nicht verkauft habe” Nun, alles entwickelt sich rapide, wenn es mit Menschen in Berührung
kommt, meistens zu Lasten des Objekts menschlicher Begierde. War es nicht naiv zu glauben, es könnte hier die Vermassung vermieden werden, oder gar zu hoffen, es könnte hier ein Reservat für
die „Reichen und Schönen" erhalten bleiben?.
Sie selbst haben in Ihrer Anfangszeit ein Haus gebaut, das ausschließlich für einen Urlaub der Fürstenfamilie von Monaco errichtet worden sein soll.
Und weiter, gehören Sie letztendlich nicht auch zu den, wie Sie sie nennen, Brosamenempfängern?
Was die Sünden in der Landentwicklung betrifft, so glaubten wir es zu schaffen. Alle wollten die Fehler der spanischen Küste vermeiden. Die ersten Gebäude im Süden von Costa Calma, Playa
Esquinzo und Morro Jable, zeigen heute noch die damalige Richtung: große Grundstücke mit schönen Villen und Gärten, kleine Hotels mit erlesener Kundschaft. Der Markt war auch da und er wuchs
langsam aber stetig.
Dann kamen die landmordenden Bebauungspläne und der Abschied vom Paradies.
Die Geschichte mit den Fürsten gehört, wie die Geschichte über die Villa Winter und die U-Boothäfen, zur Saga der alten Zeiten. Den Auftrag bekam ich vom damaligen Konsul von Monaco in Las
Palmas. Der von Ihnen genannte Zweck wurde dabei genannt, wobei ich mir aber nicht vorstellen konnte, die Fürstenfamilie Grimaldi reiste nach Costa Calma unter den strapaziösen Umständen
jener Zeit. Da war nichts mit Jets am Flughafen „Los Estancos": Sandpiste zum Landen für die alten DC-3 und einspurige Sandpiste ab Gran Tarajal. Ziel: die ersten vier Häuser in der
Bucht von Costa Calma; Strom nur abends und Wasser mit 12 gr. Salz und mit satten 36 Härtegraden gesegnet.
Klar gehöre ich auch zu den Krümelfressern. Das einzige was ich mir noch zugute halten kann, ist, dass ich meine Ideale nicht verkauft habe. Ich habe oft “Nein” gesagt.
Wissen Sie, Architekten tragen eine maßgebliche Verantwortung für die Umwelt und für das Wohlbefinden ihrer Mitmenschen. Nur, weder die Schulen noch die Gesellschaft lehren uns, diese schwere
Verantwortung zu erkennen und zu verinnerlichen. Und die moral-philosophischen Gerüste unserer Religionen befassen sich zum Thema “Bauen” höchstens mit dem Turmbau zu Babel.
Addiert mit dem Stellenwert des Geldes ergibt die Formel die immer wieder neu entstehenden Katastrophen Wenn ich Sie richtig verstehe,
halten Sie den hemmungslosen Raubbau an der Natur und die Vermassung für irreversibel und systemimmanent.
Die kanarische Regierung versucht jetzt, durch einen umfassenden Baustopp die Notbremse zu ziehen. Was halten Sie von der Absicht, zukünftig nur höherwertige Hotelbauten zuzulassen die dazu
noch in unmittelbarem Zusammenhang mit Golf, Wellness oder Yachthafen stehen müssen?
Bei allem Respekt vor den kanarischen Politikern und trotz der Freundschaft, die mich mit vielen von ihnen verbindet: das Dekret 4/2001 ist Emmentaler Käse; Fett mit Beigeschmack und vielen
Schlüpflöchern. Es wird nicht eins der großen Probleme lösen. Wegen der Komplexität dieses Themas und weil es uns alle stark berührt, würde ich später mit Ihnen gerne intensiver darüber
diskutieren.
Gut, lassen wir es dabei, ich werde gerne darauf zurückkommen. Im Moment ist die Angelegenheit völlig unübersichtlich, allein was die Rechtsbasis des alten und neuen Dekrets betrifft.. Ich
bedanke mich einstweilen für dieses Gespräch.
Vielen Dank auch Ihnen, Herr Jansen. |