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Auf
diesen Seiten stellen wir Ihnen in Zukunft Inselpersönlichkeiten vor, deren Meinung über die touristische Entwicklung Fuerteventuras geprägt wurde durch direkte, praktische Erfahrung mit
diesem Thema.
Wenn auch Sie sich in einem Interview zu diesem Themenkomplex äußern möchten, lassen sie es uns bitte wissen! Hier nun
die letzten Monat angekündigte Fortsetzung des Gesprächs mit dem Inselarchitekten Fritz Junkermann:
Herr Junkermann, unser letztes Gespräch endete mit der Ankündigung, intensiv über das Thema Nr. 1 auf den Kanarischen Inseln --- das befristete Bauverbot für neue touristische Unterkünfte
--- zu diskutieren. Sie schienen, wie Sie deutlich zum Ausdruck brachten, sehr wenig von der verordneten Atempause zu halten. Könnten Sie uns diese Meinung näher begründen?
Herr Jansen, aus dem Wust von Dekret, Aufhebungsurteil, neues Dekret und Gesetzentwurf der Regierung, das erst ab 18. 07.01 im Parlament behandelt wird, kann man viel guten Willen, aber keine Lösungsansätze
für die Summe der anstehenden Probleme erkennen. Vielmehr, der Gesetzentwurf PL-16 der kanarischen Regierung, immerhin eine Vereinbarung der zwei größten Parteien, wird mehr
gesellschaftlichen Schaden verursachen als zur Lösung auch nur eines der Probleme beitragen. Ein Auto kann man „mit dem Hintern fahren", ein Gesetz muss mit Herz und Verstand erarbeitet
werden.
Ich sehe ja auch nicht gerade unbesorgt in die Zukunft unserer Insel, aber den Versuch, hochwertigen Tourismus
zu fördern, finde ich ein lohnendes Ziel.
Ich auch, nur genau da liegt der Ansatz meiner Kritik. Neben einigen diktatorisch einschneidenden, aber völlig konfusen und ziellosen Ansätzen im Raumplanungsbereich, dem wichtigsten von allen
Planungsinstrumenten!, beschäftigt sich der Gesetzentwurf mit Träumen von 5-Sternen, Wellness á la

mondaine, Yachthäfen, Golf, etc. Ich bitte Sie Herr
Jansen, das ist blindes Wunschdenken und unlogisch dazu. Die gesamten ersten bis dritten Strandreihen sind mit den sprichwörtlichen Betonburgen „all inclusiv" gerammelt voll. Wo bitte
schön sollen die schönen Träume hin, in die vierten oder fünften Reihen? Da bleibt nur Expansion übrig; Opfern von mehr Land und von übriggebliebenen, zweitklassigen Küstenabschnitten.
Das bedeutet auch: pro Hotelbett werden 60 m² Land direkt geopfert, pro 500 Hotelbetten werden --- vom Hausgärtner bis zur Cabildoverwaltung --- ca. 200 zusätzliche Personen benötigt, die
ihrerseits etwa 4.000 m² Baufläche oder 13.000 m² Land verbrauchen. Das heißt, ein normales 500 Betten-Hotel braucht inselweit knapp 5 Hektar Land. Die Verwirklichung der o.g. Träume mit
Golf und Yachten wird über das doppelte an Land verschlingen! Das heißt auch: 10 Hotels gleich hundert Hektar oder eine Million m².
Das sind ja gewaltigen Zahlen, die Sie hier vortragen. Ich selber hatte schon zusammengerechnet, dass mit Personal,
kommerzieller Infrastruktur etc., einiges an Personen pro Gast benötigt wird, kam allerdings nur auf die Hälfte der Personenzahl. Aber Sie haben recht, es gehören auch Polizei und
Krankenwagen, Straßen und Straßenbauer, etc. p.p. dazu. Das ist ja ein schreckliches Szenario!
Nun, die parlamentarische Debatte steht noch vor uns, warten wir das Ergebnis ab. Mein eigentliches Thema ist die Zukunft unserer Insel. Wie sehen Sie diese?
Ja, Herr Jansen eine gute Frage. Ihr Motto, „Quo vadis, Fuerteventura?" lässt sich wahrscheinlich ebenso wenig beantworten wie Petrus´ Frage an den HERRN.
Immer deutlicher werden die z. T. kapitalen Fehler der Vergangenheit spürbar, visuell und finanziell. Ich möchte eine Auflistung der nach meiner Sicht positiven und negativen Faktoren gegenüberstellen.
Vielleicht finden wir über diesem Umweg eine Antwort.
Auf der Habenseite können wir an erster Stelle alles was mit dem Klima zusammenhängt aufführen: Kanarenstrom, reine und stark angereicherte Luft, die Gleichmäßigkeit des Klimas. Wo auf der
Welt finden Sie --- wie an der Nordküste --- gleichbleibend eine Differenz von nur 5° C von Maximum zu Minimum, und das Tag für Tag, sowie eine Jahresdifferenz im Monatsmittel von auch nur 5°C?.
Die Strände sind, trotz zu beobachtender Qualitätseinbußen, immer noch erste Klasse, die Vermassung hält sich --- noch --- in Grenzen, ebenso die Zerstörung der Landschaft, sofern es
abseits der touristischen Gebiete betrachtet wird.
Dagegen stehen erhebliche Minuspunkte, unter denen vier Hauptschuldige zu erkennen sind: öffentliche Verwaltung, sogenannte Urbanisatoren, Tourismuskonzerne und Hotelinvestoren mit deren Pächtern,
den Hotelbetreibergesellschaften.
Die Verwaltung war sichtlich überfordert und nicht fähig, die Zukunft zu planen und die Zügel zu straffen; den Urbanisatoren fehlten Städteplaner an der Seite mit Kenntnissen, Erfahrungen
und Mut, die abgedroschenen Wege aller touristischen Entwicklungsländer zu meiden; die Konzerne folgen der tristen Philosophie, 10 Kunden a 1.- € bringen mehr als 2 Kunden a 3.- €, die Hotels
sind die Sklaven der Moloche. Und so sind wir zu der 3- Sterne-Minus Hotel-Landschaft gekommen und zu der sterbenden Infrastruktur an Läden und Gastronomie.
Das sind nicht gerade berauschende Feststellungen, glauben Sie nicht, dass die Analyse dieser Fehler eine Umkehr ermöglichen
könnte?.
Meines Erachtens hätte der Schwerpunkt der Bemühungen des neuen Gesetzes in der Restrukturierung des Vorhandenen und in der
peinlichen Revision des bereits Genehmigten liegen müssen. Ist aber nicht so, abgesehen davon, dass hierfür auch die Fachleute fehlen..
Dabei gibt es auf Fuerte zwei Tourismuszentren mit Leben rund um die Uhr:
Costa Caleta (Caleta de Fustes) und der alte Kern von Corralejo. Alles andere ist mehr oder weniger Schrott. Die Entwicklung seitens der
Konzerne und in deren Folge der Hoteliers geht nun in Richtung Ressorts an der Karibik: Zaun auf, um die Gäste ein- und auszulassen. Daher mein Urteil: Augen zu und Klima nebst Stränden genießen.
Sie machen mich nicht gerade hoffnungsfroh. Ich, und mit mir viele andere, erhofften sich von dem neuen Gesetz eine
deutliche Hinwendung zum Besseren. Sie teilen diese Meinung wohl nicht?.
Herr Jansen, glauben Sie mir, die Entscheidungen über die Zukunft fallen nicht in Las Palmas sondern in den Konzernzentralen.
Mit ein bisschen Glück werden wir uns ein paar Eckchen bewahren können, wie Las Playitas und La Pared. Das wird aber auch alles sein.
Herr Junkermann, ich bedanke mich für das Gespräch. |