Praktisch ganzjährig streicht über die Insel Fuerteventura der mehr oder weniger
kräftig blasende Nordost-Passat. Sonnenanbeter schätzen die angenehme Brise, weil sie das Sonnenbad nicht zum Martyrium werden lässt. Viel mehr noch begeistert der luftige Gruß von den
Azoren aber einen ganz speziellen Typus von Fuerte-Fans: Wind- und Kitesurfer aus aller Welt treibt es mehrmals jährlich auf die Insel, um sich an den idealen Bedingungen für diese Sportarten zu erfreuen. |
Warum nennt man Fuerteventura weltweit das Surfparadies Nr. 1?
Wir befragten dazu einen Experten, einen langjährigen Surfcrack mit internationaler Erfahrung: René Egli aus der Schweiz. |
Seit
1984 leitet er die größte Surf-Basis der Welt, das PRO CENTER am Hotel "Los
Gorriones" mit JP/F2-
und NEILPRYDE-Windsurf-Material, als Kite-Material hat er sich
die Edelmarke Cabrinha verpflichtet.
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René, was ist denn eigentlich der besondere Reiz Fuerteventuras für euch
Surfcracks? Wind und Wasser gibt es doch an vielen Plätzen der Welt. |
René: Das ist schon richtig, aber das alleine
reicht noch lange nicht, um von einem Surf-Paradies reden zu können. Hier stimmt einfach alles! Du hast hier ideale Bedingungen das ganze Jahr über. Es fängt ja schon an mit der Anreise. Aus
Mitteleuropa bist du in nur vier Stunden hier und kannst Dich oft noch am gleichen Tag
aufs Brett stellen. |
Dann das tolle Klima. Es ist wirklich super! Du hast
ganzjährig fast immer Sonnenschein, nur
unterbrochen durch wenige Regentage oder -stunden. Und das bei Temperaturen zwischen 220C und 270C. Das macht einfach schon mal gute Laune. Aber am wichtigsten für einen
Surfer auf Fuerteventura ist natürlich der Wind. |
OK., hier weht praktisch ständig der Nordost-Passat. Aber das gilt doch z.B.
für die Nachbarinseln auch. Warum ist denn gerade Fuerteventura so einmalig in dieser Beziehung? |
René: Das liegt zum einen an der geographischen
Lage. Als östlichste der Kanarischen Inseln ist sie nur 100 km von der afrikanischen Küste entfernt. Das bedeutet, dass sich in diesem schmalen Streifen Atlantik nur äußerst selten
Tiefdruckgebiete aufbauen können. Deshalb ist das Meer an der Ostküste auch meist sehr ruhig, denn die Insel selbst wirkt wie ein Wellenbrecher für die aus dem Westen heranrollenden Wogen des
offenen Atlantik. |
Zum anderen liegt es an der geologischen Formation der Insel. Die relativ niedrigen,
sanft geschwungenen Hügel- und Bergformationen üben kaum eine Bremswirkung auf den Passat aus, zumal sie hauptsächlich parallel zur Windrichtung verlaufen. |
Somit ist Fuerteventura schon mal generell für Surfer attraktiv. Dazu kommt, dass es
hier Surfreviere für wirklich jeden Geschmack und jede Könnerstufe gibt. Und das hat hauptsächlich auch wieder mit der geologischen Formation der Insel zu tun. Das zu erklären, ist
allerdings schon etwas komplizierter. |
Kannst du trotzdem mal versuchen, in allgemeinverständlichen Worten die
verschiedenen Windverhältnisse der einzelnen Surfspots zu veranschaulichen? |
René: Nun, was Surfer besonders interessiert, ist ja nicht nur
die Windstärke, sondern auch die Richtung, bezogen auf den Strand oder die Küste. Die vorherrschende Windrichtung ist der Nord/Nordost-Passat. Das bedeutet, dass der Wind im Norden bei El
Cotillo oder Corralejo, leicht abgelenkt durch die Landmasse, onshore bis sideshore bläst (auf den Strand zu, bzw. vom Meer her schräg zum Strand.
- d. Red.). Bei
Costa Caleta (Caleta de Fustes)
streicht er ganz sideshore an der Bucht entlang. An der Ostküste von Jandía haben wir mehr oder weniger starken Offshore-Wind (vom Land auf's Meer hinaus
- d. Red.). An der Südküste
von Jandía bis zum alten Leuchtturm gibt es böige Winde aus wechselnden Richtungen. |
Welcher Wind ist denn nun für die verschiedenen Geschmäcker oder Könnerstufen besonders
attraktiv? |
René: Man kann die Windsurfszene ganz grob in drei Gruppen
aufteilen: |
Anfänger, Fortgeschrittene und Weltklassefahrer. Bei den Könnern kann
man noch unterscheiden zwischen Speed-, Slalom-, Freestyle- und
Supercross-Freaks, d.h., vereinfacht ausgedrückt, zwischen Surfern, die ihren Spaß an der Geschwindigkeit haben bzw. an
aufwändigen Manövern oder tollkühnen Sprüngen und Salti. |
Der Spot vor dem Pro Center René Egli I
Alle 10 Sekunden erzeugt die Webcam ein aktuelles Bild – es sind 10
Blickwinkel programmiert,
die im 10-sekündigen Abstand wechseln.
(Foto anklicken für neueste Aufnahme im
Großformat!)
HIER KLICKEN!
Damit Ihr Euch richtig auf einen Windsurf
Urlaub im Pro Center einstellen könnt,
stellt das René-Egli-Team regelmässig neue Videos online.
Super Action-Impressionen!
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Für Anfänger herrschen die besten Windverhältnisse in der Bucht von
Costa Caleta (Caleta de Fustes), an der
Costa Calma und an der Playa de Matorral. |
Die Spots von Corralejo sind schon eher etwas für Fortgeschrittene, sowohl für Speed-Freaks als
auch für Fun-Surfer. |
Die Westküste mit ihren bis zu 8 m hohen Brandungswellen
wäre natürlich das Paradies für die
Spitzenkönner unter den Fun-Surfern. Allerdings ist die perfekte Beherrschung von Technik und Material Voraussetzung für dieses nicht ungefährliche
Gebiet und
daher dem „Otto-Normal-Surfer“ absolut abzuraten!
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Der absolute Hit unter den
Surf-Spots ist natürlich das Gebiet an der Playa Sotavento, und zwar die
Strecke vor dem Hotel "Sol Gorriones", wo seit 22 Jahren der
World Cup, Weltmeisterschaften im Slalom- und Geschwindigkeitswettkampf,
dann der World Cup in Freestyle und Supercross im Windsurfen, und
mittlerweile wieder Speed und Slalom, sowie seit 2001 auch der
Freestyle, Hangtime, Best Tricks, Boardercross und Speed World Cup in
Kiteboarding ausgetragen werden.
Um aber auch der gesteigerten Nachfrage unter den Anfängern gerecht zu
werden haben wir ein zweites Center bei den großen
Lagunen kurz vor den Wanderdünen, offizielle Lagebezeichnung „Risco
del Paso“ eröffnet, dort in den stehtiefen Lagunen kommen Anfänger
und Aufsteiger optimal zurecht, während an den Sandbänken davor eine
bis zu 2 Meter hohe Welle bricht und somit den Wellenfreaks unter den
Windsurfern geeignete Bedingungen bietet.
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Was zeichnet diesen Strand denn für Surfer vor allen anderen aus? |
René: Da müssen wir uns wieder die geologische Formation
näher anschauen. Es ist die einzige Surfzone auf Fuerteventura mit einer so genannten Doppelbeschleunigung des Windes, denn er trifft offshore bis sideshore an der schmalsten Stelle der Insel
auf die Westküste und wird dort vom Jandía-Gebirge in Richtung Ostküste abgelenkt. Dabei wirkt der Durchbruch zwischen dem Maxorata- und Jandía-Gebirge wie eine Schleuse mit Düsen-Effekt.
Das ist also die erste Windbeschleunigungsstufe. |

Bar und Liegeplätze des PRO CENTER
I
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Die zweite Beschleunigung erfährt der vom offenen Atlantik herüber gelenkte, kühle Wind dadurch,
dass er auf dem Weg zur Ostküste praktisch unter die vom Land aufgewärmte Luft kriechen muss und dadurch noch einmal zusammengepresst wird. In Windstärken ausgedrückt bedeutet dies, dass ein
von NO kommender Wind mit 5 Beaufort an diesem Surfspot mit ca. 7-8 Beaufort offshore ankommt. |
Dass
wir hier auch Kitesurfen vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen schulen
können, liegt an den Lagunen rechts vor dem Hotel, die bei Flut mit
knietiefem Wasser gefüllt sind. Ansonsten ist dieses Gebiet, sowohl für
Wind- als auch für Kitesurfer, etwas für Fortgeschrittene bis
Weltklasse-Profis. Und das ist natürlich ein zusätzlicher Reiz: dass
man hier die Weltstars der Szene nicht nur von weitem beobachten kann,
sondern dass man sich mit ihnen das gleiche Revier teilt und sie natürlich
dabei auch persönlich kennen lernt. |
Mal eine persönliche Frage: Wie kamst
Du denn damals zum Windsurfen? |
René: Nun, als die ersten Windsurfer von Amerika nach Europa
kamen, und zwar zu den deutschen Nordseeinseln, da habe ich mich als damaliger Skilehrer sofort dafür begeistert. Es ist ja irgendwie ähnlich wie
Snowboard-Fahren, nur dass das ganze auf dem
Wasser stattfindet und man statt Gefälle den Wind zur Beschleunigung nützt. Anfangs habe ich dann den Sommer über in Sitges (Nordostküste Spaniens
— d. Red.) eine Surfstation geleitet
und im Winter weiterhin als Skilehrer in der Schweiz gearbeitet. |
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Die Weltstars im harten Wettkampf |
Da mich das Surfen aber immer stärker fasziniert hat, habe ich mich, auf der Suche nach einem
Surfgebiet mit ganzjähriger Saison, ein bisschen in der Welt umgesehen und stieß dabei auf Fuerteventura. |
Nach
Abchecken der verschiedenen Zonen kam für mich als damaliger
leidenschaftlicher Speedfahrer nur der Spot am "Sol Gorriones"
infrage, wo ich dann 1984 das Pro Center eröffnete. Im
Laufe der Zeit entdeckte ich zuerst den Reiz des Speed-Windsurfens und
dann den des Freestyle-Windsurfens
und bin seit ca. drei Jahren fasziniert vom Kiteboarden, was mich dazu
brachte ein Kite Center ins Center I zu integrieren. Nicht nur die
kostenlos zur Verfügung gestellte Druckluft zum Aufpumpen der Kites
oder unser ausgeklügeltes Rescuesystem locken immer mehr Kiter an
unseren Spot, sondern auch der endlos lange und extrem breite Sandstrand
vor unserer Station, sowie die Einteilung in Wind- und Kitesurfzonen
mittels Bojen im Meer, so dass sich keiner in die Quere kommt. Zusätzlich
helfen unsere Beachassistenten gerne beim Starten und Landen der Kites und beim Zusammenbau
derselben, sowie geben Tipps zu Gezeitenstände und Kitegrößen.
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Und du hast es bis heute nicht bereut? Zieht es dich nicht an andere weltberühmte
Surfstrände? |
René: Alle berühmten Surfplätze haben ihre Vor- und
Nachteile. Aber einzig und allein auf Fuerteventura findet man ganzjährig ideale Bedingungen für jeden
Windsurf- und Kiteboard-Fan. Ich kann nur sagen: Wer hier nicht begeistert ist, sollte die Sportart
wechseln. |

Die nur knietiefen Lagunen bieten ideale
Bedingungen für die Anfängerschulung
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Zum Schluss noch eine Frage: Was kostet denn dieser Spaß eigentlich hier auf der Insel? |
René:
Die Mietpreise für ein F2- oder JP-Board Typ World Cup mit Neil Pryde
Segel bzw. Cabrinha-Board und -Kite liegen bei 244 € für 6 Tage. Ein
Windsurf-Anfängerkurs mit 10 Stunden kostet um die 180 € und ein
Windsurf-Auffrischkurs von 6 Stunden etwa 140 €. Kite-Anfänger-
oder Fortgeschrittenenkurse mit 6 Stunden sind für knapp 250 €
erhältlich. Selbst-verständlich bieten wir für beide Sportarten auch Schnupperkurse
an, damit sich Interessierte ein Bild machen können. Online-Bucher
erhalten übrigens 10 % Rabatt auf all unsere buchbaren Leistungen.
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René, im Namen unserer Leser vielen Dank für deine aufschlussreichen Erklärungen und
"Gut Wind!" |
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